„It’s Showtime Baby, ab in die Zauberkugel!“
See, it’s not about races
Just places
Faces
Where your blood comes from
Is where your space is
I’ve seen the bright get duller
I’m not gonna spend my life being a color
„… it doesn’t matter if you’re black or white” singt Michael Jackson im Jahr 1991.
Gemeinsam mit dem damals innovativen Video schreibt der Song Popgeschichte. Per Morphing-Effekt blenden Gesichter einzelner Personen ineinander über. Frauen werden zu Männern, Rothaarige zu Schwarzhaarigen, Weiße zu Schwarzen, Asiat*innen zu Latinx. Die Grenzen der Identitäten verschwimmen und offenbaren ein zentrales Versprechen der 1990er: Die Überwindung der Rassenschranken.
Zur selben Zeit läuft im deutschen Fernsehen ein Format namens „Mini Playbackshow“ mit Bestquoten. Kinder ahmen hier ihre Lieblingsstars nach. Verkleiden, tanzen und performen – in bisweilen skurrilen Ausmaßen – wie ihre erwachsenen Vorbilder.
Die Inszenierung PLAYBLACK bedient sich diesem Showformat und stellt die Versprechen der Popmusik auf den Prüfstand. Joana Tischkau konzipiert eine musikalisch-performative Collage über die Rollen Schwarzer Entertainer*innen in einer von weißen dominierten Unterhaltungsindustrie.
Es entwickelt sich ein immer turbulenter werdender Kampf mit Kostümen, Perücken und Tanzschritten, indem die Performer*innen verschiedene Figuren der Popgeschichte imitieren. Dabei enttarnen sie das weiße Begehren nach Schwarzer Verkörperung und markieren den vermeintlich neutralen weißen Körper in seiner unsichtbaren Normierung. Im vielschichtigen Spiel von Wiederholung, Nachahmung und Überhöhung generiert sich eine kritische Linse, die den Blick auf die Gewinner*innen am Firmament der Stars und Sternchen richtet.
“Joana Tischkau trägt aus den Wiederholungsschleifen der Popmusik und der Massenkultur gleichsam die Splitter eines zerbrochenen Spiegels zusammen. Tischkaus Arbeit zeigt wie ‘scharfkantig’ dieses scheinbar harmlose Material ist und wie Hybridisierung, Vereinnahmung und Exklusion darin zusammentreffen. Zugleich aber - und dies ist das Vorrecht der Komödie - gibt sie Hoffnung, dass in diesem glitzernden Haufen ein soziales Ganzes zu finden ist.” (1)
Als ergänzendes Material zur Inszenierung von PLAYBLACK ist PLAYBLACK RADIO entstanden. Ein Hörspiel in der die deutschen Stimmen Schwarzer Hollywoodstars auf weiße Musik Pseudo-Wissenschaft und die PC-Polizei treffen. PLAYBLACK RADIO wurde zum Hörspiel des Jahres 2023 gewählt.
KONZEPT & CHOREOGRAFIE Clara Reiner, Joana Tischkau TONREGIE Jan Gehmlich PERFORMANCE DOori Antrie, Clara Reiner, Joana Tischkau DRAMATURGIE & KÜNSTLERISCHE MITARBEIT Ellias Hampe KOSTÜM Ina Trenk, Nadine Bakota LICHT Dennis Dieter Kopp GRAFIK DESIGN BÜHNE Justus Gelberg KÜNSTLERISCHE PRODUKTIONSLEITUNG Lisa Gehring FOTOS Daniel Michael Shaw, Robin Junicke
2019
(1) Hans Roth, „Die komische Differenz. Zur Dialektik des Lächerlichen in Theater und Gesellschaft“ (Berlin, Freie Universität Berlin, 2021), 385.
Eine Produktion von Joana Tischkau. In Kooperation mit dem Künstler*innenhaus Mousonturm Frankfurt am Main und dem Studiengang Choreografie und Performance der Hessischen Theaterakademie. Gefördert vom Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main.